12.12.2020

Was ist eigentlich ein Filter?

Als Fotograf kennt man so einige Fragen, die man von Leuten mit nicht so viel Erfahrung gerne gestellt bekommt. Die häufigste lautet: "Ist das Bild bearbeitet?" Darauf habe ich mittlerweile eine Standardantwort: "Selbstverständlich, und zwar selbst bearbeitet, denn wenn ich die Kameraautomatik das Bild bearbeiten lasse, sieht es unrealistisch aus." Dazu ein Link zum entsprechenden Artikel, und das Thema sollte geklärt sein.

Bei der Antwort auf die Frage "Wurde da ein Filter verwendet?" tue ich mich allerdings deutlich schwerer. Denn was versteht man überhaupt unter einem Filter? Nachdem ich mir über diese Frage Gedanken gemacht habe, müsste die Antwort auf die Frage, ob ich einen Filter verwendet habe, in den meisten Fällen lauten:

Well yes, but actually no.

Anmerkung: Bitte schaut "The Pirates" und alle anderen Filme von Aardman. Gut investierte Zeit.

Was ist nun ein Filter?

Analoge Filter

Ursprünglich verstand man darunter in der Fotografie eine Scheibe mit speziellen Eigenschaften, die man vor dem Objektiv befestigt. Diese gibt es auch heute noch. Bedeutend sind vor allem Polfilter und Graufilter, da man mit diesen das Bild auf eine Weise beeinflussen kann, die mit digitaler Bearbeitung nicht möglich ist.

Bewölkter Abend am Schluchsee

Längere Belichtungszeit und geglättete Wellen durch Graufilter.

Blick auf Bermaringen

Tiefblauer Himmel durch Polfilter. Dieser Filter lässt sich auch verwenden, um Spiegelungen zu verstärken oder zu unterdrücken.

Diese Filter setze ich nur in speziellen Aufnahmesituationen ein. Die meisten meiner Aufnahmen kommen ohne sie aus. Also könnte ich die Frage nach der Verwendung eines Filters meistens mit "Nein" beantworten.

Oder?

Digitale Filter

Es gibt noch viele weiter Filter, die z. B. Farben verändern. Die meisten davon sind kaum noch im Einsatz, weil sie sich digital simulieren lassen. Damit kommen wir zu der Frage: Was versteht man unter einem Filter in der digitalen Bildbearbeitung?

Sucht man auf Wikipedia nach dem Thema, stößt man auf einen Artikel über Grafikfilter. Dieser bestätigt das, was ich unter dem Begriff verstanden habe. Irgendwelche Effekt-Spielereien. Also so Zeug, was nichts mit den notwendigen Anpassungen zu tun hat. Diese heißen z. B. in Lightroom aus gutem Grund nicht "Filter", sondern "Grundeinstellungen".

Grundeinstellungen Lightroom

In Photoshop gibt es in der Menüleiste zum einen den Punkt "Bild" mit dem Untermenü "Korrekturen". Da findet man diese notwendigen Anpassungen. Und dann gibt es den Menüpunkt "Filter". Da sind die ganzen unnötigen Spielereien drin.

Also: Klare Sache. Verwende ich Filter? Nein!

Oder?

Der Wikipedia-Artikel erwähnt auch Unscharf maskieren als Filter. Und im Photoshop-Filter-Menü findet sich die Objektivkorrektur, mit der man chromatische Aberrationen und Vignettierung entfernen kann. Das sind alles Werkzeuge, mit denen man Schwächen des Objektivs ausgleichen kann und die ich zu diesem Zweck auch nutze. Mist. Verwende ich etwa doch Filter?

Aber Filter sind doch diese Spielzeuge, mit denen man das Aussehen des ganzen Bildes verändert.

Moment mal ... den Weißabgleich oder den Kontrast anzupassen verändert doch auch das ganze Bild.

Hm.

Schauen wir doch mal im Photoshop-Filter-Menü, was sich hinter dem Punkt "Camera-Raw-Filter" verbirgt. Um da hinzukommen, muss man zweimal auf einen Menüpunkt klicken, der den Begriff "Filter" enthält. Was also da drin ist, das muss auf jeden Fall unter "Filter" zählen.

Oh.

Grundeinstellungen als Filter

Na gut. Ich gebe auf. Ich setze Filter ein. In jedem meiner Bilder. Eigentlich geht es nicht ohne Filter. Selbst die Kameraautomatik filtert das Bild. Also: Verwende ich Filter? Ja!

Oder?

Wie ist die Frage überhaupt gemeint?

Wenn mich jemand fragt, ob ich Filter verwende, muss ich ja auch beachten, wie die Frage gemeint ist. Die meisten Leute kennen Filter von Instagram her. Dabei geht es um Algorithmen, die dazu da sind, mit einem Klick das Bild "aufzuhübschen", damit es mehr Likes bekommt. Eine Vorgehensweise, die ich entschieden ablehne. Wenn die Frage darauf abzielt, kann ich sie doch mit einem klaren "Nein" beantworten.

Wenn ich also alle Nuancen dieser Fragestellung einbeziehen möchte, bleibt mir als Antwort auf die Frage "Hast du einen Filter verwendet?" eben nur ein klares, unmissverständliches:

Well yes, but actually no.


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