Reisen

Alpine Abendstimmung auf dem Widderstein

18.10.2018
Kategorie: Reisen

Ein Ausflug in die Allgäuer Alpen, eigentlich nicht zum Fotografieren. Ich wollte nur Berge sehen, weil Berge für mich das beste Mittel sind, mit einer weitgehend unerträglichen Gesamtsituation klarzukommen. Als letzter Gipfelbezwinger des Tages auf dem Großen Widderstein konnte ich mir Zeit nehmen, um ausgiebig die Aussicht zu genießen.

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Es gab sogar etwas Schnee zu sehen, womit ich angesichts der anhaltenden Trockenheit und Wärme nicht gerechnet hätte.

Widderstein, 18. 10. 2018

Auf dem Rückweg nach unten: Abstecher auf den südwestlichen Nebengipfel, wo sich eine vielversprechende Abendstimmung andeutete.

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Der Normalweg verläuft durch eine steile Rinne mit eingeschränkter Aussicht. Dort sah ich die gegenüberliegende Felswand auf einmal tiefrot leuchten. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich einen Felsvorsprung, der ein bisschen Aussicht ermöglichte.

Widderstein, 18. 10. 2018

Und dann begann der Himmel zu glühen. Ich hatte noch etwa 600 Höhenmeter im Abstieg zum Hochtannbergpass vor mir und keine Lampe dabei, aber das war mir in diesem Moment so egal wie die erwähnte Gesamtsituation. So sehen die Momente aus, für die es sich zu leben lohnt.

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Widderstein, 18. 10. 2018

Fotourlaub im Riedingtal

06.07.2018
Kategorie: Reisen

Seit Jahren angestrebt, jetzt endlich umgesetzt: Ein gemeinsamer Fotourlaub in den Alpen mit Felix und Stefan. Seit vielen Jahren Stammbesetzung des Chats bei natur-portrait.de und später dann alfoco.de, kreisen unsere Themen meist um das aktuelle Wetter zum einen und Foto-Traumziele (die überwiegend in den Alpen liegen) zum anderen. Aber einen gemeinsamen Urlaub zu organisieren ist nicht ganz einfach, wenn sich die Wohnorte auf Marburg, die Ulmer Alb und den Wienerwald verteilen.

Schließlich standen Ziel und Termin fest: Die Königalm im Riedingtal im Lungau im südlichen Salzburg Anfang Juli. Das vorhergesagte Wetter war wechselhaft und schwülwarm, wobei letzteres auf über 1600m Höhe gut auszuhalten war. Bei so einer Wetterlage sind allerdings aktuelle Wetterprognosen sehr wichtig für die Planung von Fotoaausflügen. Und im oberen Teil des Tales, wo die Königalm liegt, hat man bisher keinen Mobilfunkempfang und dadurch natürlich keinen Internetzugang. Weiter unten am Schlierersee ließ sich eine instabile Verbindung herstellen, gerade gut genug, um die Wettermodelle abzurufen. Was für uns bedeutete, dass wir mindestens einmal am Tag „zum Surfen an den See“ fahren mussten.

Am ersten Tag erkundeten wir das Tal oberhalb unserer Unterkunft und bekamen abends sogar noch eine ganz nette Stimmung zu sehen.

Riedingtal, 1. 7. 2018

Für den nächsten Tag war ein klarer Morgen angekündigt. Den wollten wir am See zum Fotografieren nutzen. Dort erwartete uns allerdings tiefe Bewölkung ohne Lücken, die alle Gipfel in der Umgebung verschluckt hatte. Eine recht frustrierende Angelegenheit. Aber da wir schon am See waren, wo man surfen konnte, schauten wir uns die Webcams in der Umgebung an: Oberhalb 2000m war es tatsächlich klar. Mit Nebelmeer.

Während Felix und Stefan generell gerne Wälder im Nebel fotografieren, mag ich Nebel bekanntlich vor allem von oben. So zogen wir nach der Rückfahrt zur Königalm direkt wieder los, bergauf in die Nebeldecke. Dabei ließen die beiden es verhältnismäßig gemütlich angehen, während ich mich in größter Eile den Berg hinaufquälte, um über die Inversionsschicht zu gelangen. Was mir dann tatsächlich gelungen ist. Aber so ein spontaner, hektischer Aufstieg von über 500 Höhenmetern – so etwas Anstrengendes mache ich nur im Urlaub. Chillen und Nichtstun kann man schließlich auch daheim, wo es keine Berge gibt.

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Riedingtal, 2. 7. 2018

Der folgende Tag brachte erstmals eins der angekündigten Gewitter. Kein guter Tag für große Wanderungen, aber für Bergwetterstimmungen. Auch wenn es nur zu einem Bild gereicht hat.

Riedingtal, 3. 7. 2018

Am nächsten Morgen ging es wieder an den See. Die Wolken schienen mir einiges an Morgenrot-Potential zu haben, so dass ich mir einen Standort mit entsprechender Blickrichtung suchte. Das war offensichtlich eine gute Entscheidung.

Schlierersee, 4. 7. 2018

Schlierersee, 4. 7. 2018

Als das Farbspektakel sich dem Ende näherte, nahm ich die Riedingspitze ins Visier, diesen markanten Gipfel mit dem klassischen „Wächter des Tales“-Charakter, den ich unbedingt noch besteigen wollte. Leider hatte ich für diese Bilder dann kein besonders interessantes Licht mehr.

Schlierersee, Blick zur Riedingspitze, 4. 7. 2018

Schlierersee, Blick zur Riedingspitze, 4. 7. 2018

Nachmittags zogen erneut Gewitter auf. Als sich das Wetter abends beruhigte, stieg ich in der Hoffnung auf abendliches Aufklaren auf der Nordseite des Tales bergauf. Da gibt es ein paar Felsvorsprünge, die als Aussichtspunkte sehr vielversprechend aussahen. Viel Zeit hatte ich nicht, deshalb versuchte ich es auf direktem Weg. Von unten sah das ganz gut machbar aus. Nun ja. Ich habe wohl eine Neigung dazu, scheinbar einfache Routen abseits der Wanderwege zu suchen und mich darin so lange zu verrennen, bis es richtig unangenehm wird – davon zeugt u. a. mein durchgeknallter Direktaufstieg zum Kybfelsen bei Freiburg. Während man im Schwarzwald meistens trotzdem irgendwann wieder auf einen Weg stößt, kommt man in den Alpen eher an einen Punkt, wo Umkehren nötig ist, bevor man irgendwo landet, wo es weder vor noch zurück geht. Vernünftig genug, in so einem Fall rechtzeitig umzukehren, bin ich ja immerhin. Aber meine erhofften Bilder habe ich nicht bekommen. Es reichte nur für Teleaufnahmen, die ich genauso gut von Tal aus hätte machen können …

Blick zum Modermandl, 4. 7. 2018

Das alles wäre nicht so schlimm gewesen, wäre nicht der nächste Tag der letzte unseres Urlaubs gewesen und damit die letzte Gelegenheit, die Riedingspitze zu besteigen. Das hohe, nasse Steilgras hatte meine Schuhe durchnässt. Bis nachts um halb drei – meiner Startzeit für die Gipfelbesteigung – waren die unmöglich trocken zu bekommen. Letztendlich war das aber fast egal, weil ich auf dem Weg auf den Berg ebenfalls nasses Gras zu durchqueren hatte.

Einen ausführlichen Bericht über die Besteigung der Riedingspitze mit zusätzlichen Bildern habe ich bei hikr veröffentlicht. Deshalb beschränke ich mich hier auf die Bilder vom Gipfel bei Sonnenaufgang.

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Riedingspitze, 5. 7. 2018

Manche Menschen fotografieren ja gerne sich selbst auf Berggipfeln, um zu zeigen, dass sie da waren. Ich weiß auch nicht warum. Alles andere ist in so einem Moment als Fotomotiv doch interessanter als irgendein Mensch vor dem Gipfelkreuz. Trotzdem gibt es ein Bild von mir auf dem Berg, aufgenommen von Felix beim Schlierersee. Ich bin ein wenige Pixel hoher schwarzer Strich auf dem Gipfel.

Blick zur Riedingspitze (Foto von Felix), 5. 7. 2018

Wer weiß: Wenn im Herbst tatsächlich das Mobilfunknetz ausgebaut wird bis ins hintere Riedingtal, dann waren wir möglicherweise nicht zum letzten Mal dort …

Reise-Nachtrag: Isergebirge, September 2017

16.02.2018
Kategorie: Reisen

Nach dem Familienurlaub in Dänemark 2014 kam die Familie dieses Jahr wieder zu einer gemeinsamen Urlaubsreise zusammen. Diesmal mit dem Ziel Nordböhmen – was ganz nach meinem Geschmack war. In meiner Zeit im Erzgebirge hatte ich eine lange Liste von Motiven in dieser Region zusammengestellt und war nie dazu gekommen, wenigstens eins davon abzulichten. Bed?ichov im Isergebirge erschien als guter Ausgangspunkt, um daran endlich etwas zu ändern.

Dazu sollte es allerdings nicht kommen: Nachdem mein größter geplanter Fotoausflug recht frustrierend endete, beschloss ich, es entspannter anzugehen, einfach den Urlaub zu genießen und keine großen Ansprüche mehr an meine Fotos zu stellen.

Diese Bilder vom Ješt?d bei Liberec waren schon vorher entstanden. Dieser Berg bringt es nur auf 1012m Höhe, ist durch seine Alleinlage aber einer der prominentesten Gipfel in Tschechien mit entsprechender Aussicht. Man kann sogar mit dem Auto bis ganz oben fahren, aber dort gibt es nur wenige Stellplätze, und diese haben ihren Preis: 200 Kronen, das sind etwa 8 Euro, selbst wenn man nur ein paar Minuten dort parken will. Angebot und Nachfrage … Man könnte auch das Auto ein paar hundert Meter tiefer abstellen, zum Gipfel wandern und danach für das gesparte Geld richtig gut essen gehen. Wir entschieden uns für eine Zwischenlösung: einen Parkplatz etwa 100 Höhenmeter unter dem Gipfel zum halben Preis.

Ješt?d, 3. 9. 2017

Ješt?d, 3. 9. 2017

Die Basaltformation Panská skála bei Kamenický Šenov stand damals auf meiner Liste ziemlich weit oben. Jetzt habe ich endlich Aufnahmen davon gemacht, wenn auch nur im Mittags-Gegenlicht. (Nebenbei bemerkt: In Tschechien zahlt man für fast alles weniger als in Deutschland, aber fürs Parken wird man gerne abkassiert …)

Panská skála, 4. 9. 2017

Der folgende Morgen war die erwähnte frustrierende Erfahrung. Ganz früh aufgestanden, um ins Riesengebirge zu fahren. Mein Ziel war der Pan?avský vodopád gewesen, ein Wasserfall nahe der Elbquelle an einem nach Osten exponierten Steilhang, perfekt für Bilder bei Sonnenaufgang. Gesperrte Straßen und Umleitungsstrecken, auf denen man nur sehr langsam vorankam, nahmen aber so viel Zeit in Anspruch, dass es unmöglich wurde, mein Ziel rechtzeitig zu erreichen. Also versuchte ich spontan ein anderes Motiv auf meiner Liste anzufahren und landete auf dem (ebenfalls rund um die Uhr kostenpflichtigen) Parkplatz bei Jizerka. Die weiterführende Straße in das Bergdorf ist nur für Anlieger freigegeben. Angesichts unerwartet niedriger Temperaturen (etwa 3°C) schien es mir keine gute Idee, ohne Handschuhe mit dem Rad loszuziehen. Also weiter zum nächsten möglichen Ziel, der Talsperre Josef?v D?l: Die war, wie befürchtet, nur sehr eingeschränkt für Fußgänger zugänglich, weil sie genauso strikten Trinkwasserschutz-Auflagen unterliegt wie die Talsperre Fláje im Osterzgebirge. Also noch einmal weiter bis zum Parkplatz Sm?dava, Ausganspunkt für Ausflüge zu einigen der schönsten Aussichtspunkte im Isergebirge (und selbstverständlich kostenpflichtig). Ich hätte gerne die Felsformation Frýdlantské cimbu?í erreicht, landete dann mit dem Rad auf unbefahrbaren Wegen durch ein Hochmoor, fand den Weg zu den Felsen nicht (obwohl ich, wie später festgestellt, schon fast da gewesen war), aber es hätte sich auch nicht wirklich gelohnt bei dem dunstigen Wetter. Schließlich nahm ich einen anderen (befahrbaren) Weg zurück zum Parkplatz und legte einen Zwischenhalt ein an einem weiteren Hochmoor. Dieses trägt den Namen Na ?ihadle, was für mich etwa so klang wie ein heiliger Kleinkrieg schwäbischer Islamisten, sich aber als einigermaßen fotogen erwies. Eine knappe Stunde nach Sonnenaufgang erschien die Sonne dann endlich auch über der Wolkenwand im Osten (bei ansonsten wolkenlosen Himmel – dieser Morgen war ein Musterbeispiel für Murphy’s Law).

So sah also der Ersatz für den Wasserfall im Riesengebirge aus:

Hochmoor Na ?ihadle, 5. 9. 2017

Danach gab ich, wie gesagt, alle Foto-Ambitionen auf und ging den Urlaub entspannter an. Am nächsten Tag stand ein Ausflug nach Prag an, an dessen Ende ich doch noch einmal die Kamera zücken musste. Wer hätte gedacht, dass man am Rand eines Industriegebietes in einem Vorort von Prag solche Aufnahmen machen kann …

Prag, 6. 9. 2017

Zwei Tage später – am letzten vollständigen Urlaubstag – dann ein Ausflug ins böhmische Elbstandsteingebirge zum Wandern in der Felsenlandschaft von Jet?ichovice. Dort liegen einige Aussichtspunkte, die ich ebenfalls damals auf meine Liste gesetzt hatte. Das Licht war äußerst ungünstig, aber eine dokumentarische Aufnahme von der Aussicht Mariina skála möchte ich trotzdem zeigen:

Mariina skála / Jet?ichovice, 8. 9. 2017

Oberengadin 2015: Piz Güglia (Piz Julier), 3380 m

29.08.2015
Kategorie: Reisen

Die letzten heißen Tage des (insgesamt viel zu heißen) Sommers galt es für die alljährliche Engadin-Tour zu nutzen. Nachdem ich 2013 knapp unter 3000 Metern und 2014 ganz ohne Gipfelerfolg geblieben war, war das Ziel für dieses Jahr klar: Endlich ein Dreitausender!

Natürlich kann man sich nicht viel darauf einbilden, generell mal auf einem Dreitausender gestanden zu sein. Schließlich gibt es in dieser Kategorie auch ganz einfache Exemplare, die man mit einem Spaziergang von der Seilbahnstation (z. B. Munt Pers) oder sogar direkt mit der Seilbahn erreicht (z. B. Piz Nair – einen Tag später hätte es dort sogar eine Sonnenaufgangsfahrt gegeben). Für mich sollte es aber schon ein Berg sein, den man sich selbst erkämpfen muss und den nur wenige Bergwanderer schon bei Sonnenauf- oder -untergang erlebt haben. Dabei standen vor allem zwei in der engeren Auswahl:

  • Piz Güglia / Piz Julier (3380 m)
    Sehr exponiert, grandiose Aussicht, Übernachtungsmöglichkeit in einer Schutzhütte etwa 500 m unter dem Gipfel, kostenlose Parkmöglichkeit an der Julierpassstraße. Aufstiegsroute aber nicht besonders fotogen.
  • Piz Chalchagn (3154 m)
    Zeichnet sich vor allem durch den hervorragenden Blick über den Morteratschgletscher auf das Bernina-Massiv aus. An der Aufstiegsroute zwei kleine Seen, eventuell auch fototauglich und als Übernachtungsplätze geeignet. Ausgangspunkt: kostenpflichtiger Parkplatz Morteratsch.

Der Chalchagn muss nun noch ein oder zwei Jahre warten. Die Höhe des Piz Julier und die garantierte Schneefreiheit im Aufstieg nach dem sehr warmen Sommer waren zu verlockend. Allerdings trat ich dem Berg auch mit einigem Respekt entgegen. Bis zur Fuorcla Albana (Übernachtungsmöglichkeit auf 2870 m) sollte der Weg gut machbar sein. Dort beginnt dann allerdings der Gipfelaufstieg, Senda Enferrada genannt. Ein gut markierter und gesicherter Alpinwanderweg, aber oft sehr ausgesetzt und definitiv kein Spaziergang. Die Schwierigkeit wird mit T4+ angegeben – bisher hatte ich noch keine Wanderung gemacht, die T3 überstieg. Erschwerend kam hinzu, dass ich große Teile des Gratweges im Dunkeln bewältigen musste, um vor Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen. Ich rechnete damit, an meine Grenzen gehen zu müssen – und tatsächlich wurde die Tour zu einer Grenzerfahrung, allerdings anders als erwartet.

Die Schutzhütte Refügi Albana wurde in verschiedenen Besteigungsberichten als heruntergekommen beschrieben. Das gilt nicht mehr: im Juni 2015 wurde sie neu aufgebaut und ist jetzt in einem einwandfreien Zustand. Ein Dach über dem Kopf zu haben war in der zeitweise recht windigen Nacht durchaus angenehm. Drei Stunden vor Sonnenaufgang klingelte dann der Wecker. Erfahrene Alpinisten schaffen den Weg locker in der Hälfte der Zeit, aber ich wollte auf keinen Fall auf dem gefährlichen Weg ins Hetzen kommen.

Wie schwierig ist der Weg nun aber tatsächlich? Ich würde sagen: für geübte Mittelgebirgswanderer durchaus machbar. Man sollte aber auf jeden Fall seine Höhenangst zu Hause lassen und dafür absolute Trittsicherheit mitbringen. Vor allem im oberen Bereich des Weges hat man den Abgrund oft direkt unter sich – ein Fehltritt, und alles kann vorbei sein. Allerdings ist der Weg an diesen Stellen durchgehend mit Ketten gesichert, man kann sich also fast immer festhalten, so dass auch Alpin-Anfänger (wie ich) nicht überfordert sein dürften. Andererseits darf man den Weg auch technisch nicht unterschätzen: Im oberen Teil braucht man oft die Hände zum Vorwärtskommen und hat, wie schon erwähnt, dabei den Abgrund in unmittelbarer Nähe. Das Schlimmste an diesen Stellen war der Gedanke, da anschließend wieder runter zu müssen.

Die Kraxelstellen waren dann beim Abstieg aber das kleinste Problem. In die Hocke gehen, mit den Händen aufstützen und mit den Füßen den nächsten sicheren Tritt suchen, das ging überall ohne Schwierigkeiten. Viel unangenehmer waren die mit Sand und feinem Schutt bedeckten Wegabschnitte. Da muss man sich bei jedem Schritt voll konzentrieren, um nicht wegzurutschen. Von diesen Abschnitten gibt es mehrere: im unteren Teil der Senda Enferrada, direkt unter der Fuorcla Albana, kurz darauf nochmals im Bereich Munteratsch Sur, und der längste und unangenehmste Sandweg befindet sich unten nahe der Passstraße. Diese Wegabschnitte sind zwar alle nicht besonders ausgesetzt, aber wenn es blöd läuft, kann man ziemlich weit abrutschen. Da ist die Verletzungsgefahr höher als bei der Kletterei im festen Fels in Gipfelnähe.

Die Tour wurde aber aus einem anderen Grund zur erwähnten Grenzerfahrung: Beim Abstieg hatte ich auf der Fuorcla Albana den letzten Tropfen Wasser verbraucht und war bereits an diesem Punkt ziemlich durstig. Wasser gibt es am Weg oberhalb von 2500 m nicht. Der Abstieg mit schwerem Gepäck über zwei der beschriebenen Sandwege (und dazwischen eine Blockhalde, wo man ständig über große Steinbrocken steigen muss) war in der prallen Sonne die Hölle, und ich bekam ein Gefühl dafür, wie sich ein Wanderer in der Wüste fühlen muss – einschließlich Trugbilder: Auf gut 2600m hörte ich es in der Nähe des Weges plätschern. Die Erlösung! Dachte ich … und stieg abseits des Weges am Hang entlang, um meine Flasche zu füllen. Doch der Bach kam nicht. Das Plätschern schien immer ganz nah, aber egal, wie weit ich mich durch das lockere Geröll kämpfte, es war kein Wasser zu sehen. Schließlich gab ich auf und stieg ab in Richtung Wanderweg, den ich mit letzter Kraft erreichte – auf etwa 2500 m an der Stelle, wo ihn (von oben gesehen) zum ersten Mal ein Bach kreuzt. Dort befindet sich ein Deckel, unter dem es deutlich hörbar plätscherte. Das Wasser wird weiter oben wohl kanalisiert und tritt erst hier wieder an die Oberfläche. Verdursten war also kein Thema mehr, aber die Kraftreserven waren aufgebraucht und noch ein paar hundert Höhenmeter abwärts zu bewältigen. Wie auch immer ich es noch zum Parkplatz geschafft habe: es war alles andere als angenehm.

Wer also vorhat, diese Tour ebenfalls zu machen, für den habe ich zwei Empfehlungen:

  • Genug zu trinken mitnehmen! Besser zu viel als zu wenig. Was ich beim Abstieg durchgemacht habe, wünsche ich keinem.
  • Im Fall einer Übernachtung im Refügi Albana (übrigens für maximal drei Personen geeignet) eine herkömmliche Isomatte mitnehmen, nicht die luftgefüllte Variante, die ich dabei hatte. Diese hat den winzigen, sehr spitzen Steinen zwischen den Sandkörnern nicht standgehalten. Ist zwar erst nach Mitternacht passiert, trotzdem ärgerlich.

Jetzt aber endlich zum Gipfel und zu den Bildern.

Wenn ich mit ein paar Tagen Abstand auf die Tour zurückschaue, sind die Strapazen schon wieder fast vergessen. Die grandiose Aussicht vom Gipfel dagegen bleibt in Erinnerung. Abgesehen vom Bernina-Massiv gibt es in der Umgebung nur vereinzelte Berge, die höher sind. Man schaut fast auf die ganze Bündner Bergwelt hinunter. Hunderte von Gipfeln, darunter viele Dreitausender, liegen einem zu Füßen. So auch der benachbarte Piz Nair mit seiner Seilbahn und dem Sonnenaufgangs-Spezialangebot. Der wirkt aus dieser Perspektive wie ein unscheinbares Hügelchen. Die Leute, die da für teures Geld mit der Seilbahn hochfahren, haben keine Ahnung, welche Aussicht sie verpassen.

Dazu kam noch ein besonderes Glück mit dem Wetter. In den Tälern war es dunstig, was mit der tiefstehenden Sonne für schöne Effekte sorgte. Der wenig fotogene Nobelort St. Moritz war vom Nebel verdeckt. In über 3000 m Höhe war die Sicht aber klar und reichte bis zu den Walliser Viertausendern.

Ich war nebenbei nicht einmal der Erste an diesem Tag auf dem Gipfel. Beim Aufstieg überholte mich ein Bergsteiger mit besserer Fitness und weniger Gepäck. Der war sogar von ganz unten (Julierpass) aufgestiegen. Aber er hatte ja auch nicht SLR-Kamera, Stativ und mehrere Objektive zu schleppen. 😉

Die Bilder – zuerst zwei vom Abend, Übernachtungsplatz Fuorcla Albana:

Fuorcla Albana, 28. 8. 2015

Fuorcla Albana, 28. 8. 2015

Und nun der Gipfel am Morgen.

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Piz Güglia (Piz Julier), 29. 8. 2015

Oberengadin 2014: Salacina, Morteratsch

04.09.2014
Kategorie: Allgemein, Reisen

Ziemlich genau ein Jahr nach der ersten Fahrt in meine Lieblingslandschaft ergab sich wieder die Gelegenheit: zwei freie Tage und den Vorhersagen nach nicht ganz unbrauchbares Wetter. Zwar nicht immer klarer Himmel, aber es sollte zumindest allen Wettermodellen zufolge trocken bleiben.

Mein Ziel war diesmal der Piz Salacina. Dieser 2599 m hohe Berg wird so selten bestiegen, dass man dazu keinerlei Informationen im Internet findet. Ob man den Gipfel ohne Kletterkenntnisse erreichen kann, wusste ich daher nicht. Um es vorwegzunehmen: ich bin jetzt immer noch nicht schlauer. 😉 Bis etwa 100 Meter unter dem höchsten Punkt gibt es einen Pfad, der Rest sah auf den topographischen Karten und in Google Earth auch machbar aus. (Update, über ein Jahr später: So einfach ist es wohl doch nicht, siehe unten am Ende dieses Beitrags.) Vom Gipfel hat man dann eine sehr schöne Sicht über das Oberengadin auf der einen und das Bergell auf der anderen Seite.

Der Plan war, abends vom Maloja über den Lägh da Cavloc (recht fotogener See) Richtung Piz Salacina aufzusteigen, knapp 300 Meter unter dem Gipfel zu übernachten und vor Sonnenaufgang den Rest des Aufstiegs in Angriff zu nehmen, um die beiden Täler im Morgenlicht ablichten zu können. Abends lief, abgesehen vom bewölkten Himmel bei der Ankunft am See, noch alles nach Plan.

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Beim Aufstieg rissen die Wolken immer mehr auf. Hätten sie sich das nicht eine Stunde früher überlegen können …

Salacina, Blick über den Lägh da Cavloc zum Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über den Lägh da Cavloc zum Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über das Val Forno, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Mein Schlafplatz trug laut Karte den Namen „Starlögia“. Keine Ahnung, was das übersetzt heißt, aber so was wie „Logenplatz unter dem Sternenhimmel“ wäre naheliegend. Es waren weiterhin kaum Wolken am Himmel, nach Sonnenuntergang brachte der Halbmond zunächst noch etwas Licht. Beste Bedingungen für Nachtlandschaftsbilder.

Salacina, Blick auf den Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über das Val Forno, 3, 9. 2014

Aus der Tour im letzten Jahr hatte ich gelernt. Nicht zu viele Höhenmeter am Stück mit dem schweren Gepäck. Früh genug aufsteigen, um den Schlafplatz vor Einbruch der Dämmerung zu erreichen. Dort angekommen, sofort das verschwitzte T-Shirt wechseln und die Jacke überziehen. Und ganz wichtig: eine Mütze dabei haben. So wurde mir trotz ähnlicher Temperaturen wie im Vorjahr nicht kalt. Nach der letzten Aufnahme legte ich mich zufrieden schlafen.

Bis mich nachts um kurz vor drei etwas weckte, worauf ich dann doch nicht vorbereitet war, weil es allen Vorhersagen nach so gut wie ausgeschlossen war:

Regen!

Der Schauer war schnell vorbei, aber der Himmel war wieder vollständig bedeckt, und es war nicht abzusehen, ob es wieder anfangen und mich womöglich noch richtig durchnässen würde. So entschied ich mich dafür, zusammenzupacken und ins Tal abzusteigen. An Schlaf war danach nicht mehr zu denken (zu kalt ohne Schlafsack, und der war nass), außerdem waren es nur noch gut zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang. Ein alternatives Motiv für den Morgen musste her. Am besten eins, das auch bei suboptimalem Licht noch etwas hergibt.

Da stand der Lago Saoseo auf der anderen Seite des Berninapasses noch auf meiner Liste. Das war ein Stück zu fahren, aber ich hatte ja Zeit. Musste dann allerdings feststellen, dass die Zufahrtsstraße nur mit schriftlicher Sondergenehmigung befahren werden darf. Nun wurde die Zeit zum Sonnenaufgang doch allmählich knapp, und so tat ich, was ich eigentlich vermeiden wollte, und nahm mir ein bekanntes, unzählige Male abgelichtetes Motiv vor. Das Val Morteratsch war das einzige noch rechtzeitig erreichbare Ziel, das mir auf die Schnelle einfiel.

Und eigentlich war das auch gar nicht schlecht. Egal, wie viele Bilder man davon schon gesehen hat: Diese Szenerie mit eigenen Augen zu sehen ist doch ein besonderes Erlebnis. Nur das Licht wollte nicht mitmachen. Ein komplett mit mittelhohen Wolken bedeckter Himmel, das ist so ziemlich der Worst Case bei Sonnenaufgang:

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Immerhin rissen die Wolken danach wieder ein wenig auf, und es reichte noch für ein paar brauchbare Aufnahmen dieses berühmten Motivs.

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Verglichen mit dem letzten Jahr war ich nicht hundertprozentig zufrieden mit der Bildausbeute. Aber mein Bedürfnis nach „echten“ Berglandschaften war zumindest kurzfristig befriedigt. Und 2015 wird dann wieder alles besser … 🙂

Update:
Es war doch gut, so wie es war. Ein Jahr nach meinem Versuch hat endlich jemand den Piz Salacina bestiegen und eine Beschreibung des Aufstiegs veröffentlicht. Ich wollte auf dem Pfad zu P.2495 aufsteigen und den Gipfel von Norden in Angriff nehmen, dabei hätte mich „heikle Kletterei (II-III)“ erwartet – das heißt, ich hätte den Gipfel auf meiner vorgesehenen Route sowieso nicht erreicht. Über den Südgrat ist der Berg dagegen auch ohne Klettererfahrung machbar. Also eventuell ein Projekt für eins der nächsten Jahre …

Eine Woche an der dänischen Nordseeküste

08.03.2014
Kategorie: Panorama, Reisen

In meiner Jugendzeit war ich dreimal in unserem flachen nördlichen Nachbarland im Urlaub. Elf Jahre lag der letzte Familienurlaub zurück, als die Familie sich in den Kopf setzte, noch einmal einen gemeinsamen Urlaub so wie damals zu verbringen. Früher war es für mich ganz normal, heute dagegen empfinde ich es schon als ein bisschen verrückt, einen ganzen Tag lang zu fahren, um dann an einem Ort zu landen, wo es weit und breit keine Berge gibt. Aber wie das so ist mit den geschenkten Gäulen … 🙂

Abgesehen davon, dass es eine sehr entspannende Woche war, hat sie sich aber auch in fotografischer Hinsicht gelohnt. Zu Hause hätte ich in dieser Zeit wahrscheinlich kein einziges Bild gemacht. März im Hochschwarzwald, das bedeutet kahle Bäume, braune Wiesen und hässlichen Altschnee. Das Meer dagegen sieht das ganze Jahr über gleich aus, das lässt sich immer fotografieren. Und dann gab es ja noch Dünen, sozusagen Schwarzwaldhügel im Miniaturformat.

Am Abend nach der Ankunft in Søndervig, meine ersten (digitalen) Meer-Bilder:

Søndervig, 1. 3. 2014

Søndervig, 1. 3. 2014

Søndervig, 1. 3. 2014

Søndervig, 1. 3. 2014

Søndervig, 1. 3. 2014

Noch etwas Meer …

Søndervig, 3. 3. 2014

Søndervig, 3. 3. 2014

Søndervig, 3. 3. 2014

Das Wetter in den ersten Tagen war … praktisch nicht vorhanden. Die Landschaft hing unter einer Dunstglocke, die die Sonne nur um die Mittagszeit zu durchdringen vermochte. Dafür war auch zu dieser sonst nicht allzu fotogenen Uhrzeit das Licht recht weich.

Strandspaziergang zum Leuchtturm Lyngvig:

Klegod, 4. 3. 2014

Klegod, 4. 3. 2014

Klegod, 4. 3. 2014

Klegod, 4. 3. 2014

Klegod, 4. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Rückweg durch das dänische Küstengebirge mit seinen Hochebenen und Bergseen:

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 4. 3. 2014

Der Dunst verdichtete sich am nächsten Tag zu Nebel. Nicht unbedingt die schlechtesten Bedingungen für den Spaziergang durch das nahe Städtchen Ringkøbing:

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Ringkøbing, 5. 3. 2014

Der Nebel begann sich abends zu lichten. So wurden an diesem Tag noch die obligatorischen Sonnenuntergang-am-Meer-Kitschbilder möglich. In Richtung Festland lag dagegen noch der Nebel, und die Dünen stellten erneut ihre Gebirgsqualitäten unter Beweis: Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich in Dänemark die Gelegenheit bekommen würde, eine Inversionswetterlage fotografisch festzuhalten (zweites Bild).

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Søndervig, 5. 3. 2014

Noch einmal Ringkøbing, die historische Kirche von innen.

Ringkøbing, 7. 3. 2014

Ringkøbing, 7. 3. 2014

Ringkøbing, 7. 3. 2014

Ringkøbing, 7. 3. 2014

Murphys Gesetz im Urlaub: Das beste Wetter hat man am Tag der Abreise. Abschied vom Leuchtturm …

Nørre Lyngvig, 8. 3. 2014

Nørre Lyngvig, 8. 3. 2014

… und den Kuriositäten der dänischen Sprache. Hier darf man nicht mit dem Moped durchfahren.

Nørre Lyngvig, 8. 3. 2014

Zwei Panoramen zum Abschluss:

Ringkøbing Kirke 360°

Lyngvig Fyr 360°

24 Stunden im Oberengadin

04.09.2013
Kategorie: Reisen

Vor zwei Jahren war ich online auf diese Landschaft gestoßen und hatte mich sofort verliebt. Ein weites alpines Hochtal mit mehreren großen Seen (gehören zu meinen bevorzugten Fotomotiven) auf 1800m Höhe, umgeben von 3000ern (einschließlich Berninagruppe) und abgelegenen Seitentälern voll wilder Natur, dazu ein sehr sonniges Gebirgsklima, wo aufgrund der Höhenlage Sommerhitze und Tauwetter im Winter kaum ein Thema sind. Der Hochschwarzwald ist zwar eine der schönsten Ecken Deutschlands, doch das Oberengadin erschien mir als schönste Ecke der ganzen Welt, und zwei Jahre lang sehnte ich mich danach, diese einmal real zu sehen. Nun hat sich endlich die Gelegenheit ergeben.

Eigentlich wollte ich zwei Nächte dort verbringen, doch ich hatte meine Kondition völlig über- und die Berge unterschätzt. Ich hätte gerne die ganze Rosatsch-Kette bis zum Piz Surlej (3188m) überschritten und dabei zum ersten Mal in meinem Leben eine Höhe von mehr als 3000m erreicht, doch der Piz Mezdi (2992m) allein verlangte meinem untrainierten Körper schon alles ab. So wollte sich beim Aufstieg die erhoffte Zufriedenheit überhaupt nicht einstellen, stattdessen geriet ich in eine Sinnkrise: der Anstieg mit dem schweren Gepäck war ein einziger Kampf, und in meinem Kopf wechselten sich die Gedanken „warum tue ich mir das an“, „ich will heim“ und „warum gebe ich das Fotografieren nicht einfach auf“ ab. Letzteres stand natürlich nie ernsthaft zur Debatte, und so konnte ich trotz der Anstrengung das Fotografieren auch beim Aufstieg nicht lassen. Von St. Moritz aus ging es mit einem kurzen Abstecher zum Lej da l’Ova Cotschna (zum Auffüllen der Wasservorräte) auf den Gipfel des Piz Mezdi, den ich in der fortgeschrittenen Abenddämmerung erreichte.

Bei St. Moritz, Blick zum Piz da l'Ova Cotschna, 3. 9. 2013

Blick über St. Moritz, 3. 9. 2013

Panoramablick über St. Moritz, 3. 9. 2013

Bei St. Moritz, Blick Richtung Samedan, 3. 9. 2013

Lej da l'Ova Cotschna, 3. 9. 2013

Lej da l'Ova Cotschna, 3. 9. 2013

Lej da l'Ova Cotschna, 3. 9. 2013

Lej da l'Ova Cotschna, 3. 9. 2013

Aufstieg zum Piz Mezdi, 3. 9. 2013

Aufstieg zum Piz Mezdi, 3. 9. 2013

Aufstieg zum Piz Mezdi, 3. 9. 2013

Blick vom Piz Mezdi zum Piz Kesch, 3. 9. 2013

Auch die Nacht war nicht besonders angenehm. Ich hatte mit einer Temperatur von 6°C gerechnet (laut Stationsvorhersage der Diavolezza, deren Daten sich normalerweise auch auf den Piz Mezdi anwenden lassen sollten). Bei dieser Temperatur hält mich mein Schlafsack eigentlich problemlos warm, trotzdem fröstelte mich die ganze Nacht. Morgens stelle ich dann fest, dass der Tau auf meinem Rucksack stellenweise gefroren war, und erkannte meinen Denkfehler: Die Temperatur in Bodennähe liegt gerade in klaren, trockenen Nächten meist ein paar Grad unter den Werten in 2m Messhöhe …

Mit dem erlösenden Silberstreif am östlichen Horizont waren dann aber die Strapazen des Aufstiegs und die Kälte der Nacht vergessen. Nach den Dämmerungsfotos auf dem Gipfel …

Piz Mezdi, Blick zur Berninagruppe, 4. 9. 2013

Piz Mezdi, Blick über St. Moritz, 4. 9. 2013

… war mein Ziel der Lej dal Rosatsch, ein Bergsee auf 2823m Höhe.

Piz Mezdi, Blick über Lej dal Rosatsch und Val Roseg, 4. 9. 2013

Dieser abgelegene See wird von Wanderern und Fotografen völlig vernachlässigt. Kein einziger Landschaftsfotograf – zumindest keiner mit Internetzugang – scheint sich bisher seiner angenommen zu haben, nicht einmal Knipsbilder von Wanderern gibt es. Dem wohl bisher einzigen Foto des Sees im Internet (das ich auf einer Anglerseite gesehen hatte) und Google Earth nach zu urteilen, versprach der See eine schöne Spiegelung der Berninagruppe, die ich mir als „Hauptmotiv“ meiner Fototour vorgenommen hatte.

Nach einem kurzen Stück über den Grat Richtung Piz Rosatsch …

Piz Mezdi, 4. 9. 2013

… erreichte ich über einen Geröllhang kurz nach Sonnenaufgang den See, und seine Qualität als Fotomotiv übertraf meine kühnsten Erwartungen.

Lej dal Rosatsch, 4. 9. 2013

Lej dal Rosatsch, Blick zum Piz Palü, 4. 9. 2013

Lej dal Rosatsch, 4. 9. 2013

Blick über das Val Roseg beim Lej dal Rosatsch, 4. 9. 2013

Lej dal Rosatsch, 4. 9. 2013

Der Anblick war überwältigend, und ich konnte kaum genug davon bekommen. Das Schönste daran: Ich hatte ihn ganz für mich alleine. Nicht nur in Bezug auf die völlige Stille und Einsamkeit – nein, ich war der bisher einzige Landschaftsfotograf im Internetzeitalter, der dieses Kleinod entdeckt hat. Während sich die Masse der Landschaftsfotografen um Riffel- und Stellisee schart und reihenweise Matterhornspiegelungen ablichtet, wie es sie schon tausendfach auf Fotos zu sehen gibt, kann man andernorts in den Alpen noch fotografisch unentdeckte Juwelen finden, die den bekannten „Blockbustermotiven“ kaum nachstehen – der Lej dal Rosatsch ist eins davon.

Ich hätte es noch stundenlang dort aushalten können, wollte aber mein Gepäck, das noch auf dem Gipfel war, nicht zu lange allein lassen, und machte mich deshalb nach diesen Aufnahmen wieder auf den Weg. Ein Blick zurück …

Lej dal Rosatsch, 4. 9. 2013

… dann ging es wieder über den Grat …

Piz Mezdi, Blick vom Grat zum Piz Rosatsch, 4. 9. 2013

Piz Mezdi, Blick über den Grat zur Berninagruppe, 4. 9. 2013

… zurück auf den Gipfel, um nun voll und ganz zufrieden den Rückweg nach St. Moritz anzutreten.

Piz Mezdi, Blick Richtung Samedan, 4. 9. 2013

Piz Mezdi, Blick Richtung Silvaplana, 4. 9. 2013

Unter dem Piz Mezdi, Blick über Piz da l'Ova Cotschna zum Silsersee, 4. 9. 2013

Beim Abstieg nahm ich auch den Piz da l’Ova Cotschna mit, einen besonders interessanten Aussichtspunkt: von dort kann man das ganze Tal von Maloja bis La Punt praktisch ohne Hindernisse überblicken. Dabei kam ich noch einmal am milchigen Gletschersee Lej da l’Ova Cotschna und seinen klaren „kleinen Brüdern“ vorbei.

Unter dem Piz da l'Ova Cotschna, 4. 9. 2013

Unter dem Piz da l'Ova Cotschna, 4. 9. 2013

Unter dem Piz da l'Ova Cotschna, 4. 9. 2013

Auf dem Piz da l’Ova Cotschna (2716m) wurde mir dann endgültig richtig bewusst, wo ich mich befand. Ich stand sicher eine halbe Stunde lang auf dem Berg, um die Aussicht zu genießen …

Piz da l'Ova Cotschna, Blick Richtung Silvaplana, Sils, Maloja, 4. 9. 2013

Piz da l'Ova Cotschna, Blick Richtung St. Moritz, Celerina, Samedan, 4. 9. 2013

… und dann folgte der Abstieg, der sich als fast noch anstrengender erweisen sollte als der umgekehrte Weg. Wie beim Aufstieg der Gipfel ständig unerreichbar hoch schien, so lag jetzt St. Moritz die ganze Zeit viel zu tief unten im Tal und wollte einfach nicht näherkommen. Zwei Tage lang plagte mich ein übler Muskelkater, doch das war es wert. Beim nächsten Mal wird es dann schon viel besser gehen, und ich habe schon eine recht lange Liste von weiteren schönen, wenig fotografierten Zielen in der Gegend zusammengestellt … 🙂

Eine Spätsommerwoche im Diemtigtal (Berner Oberland)

16.09.2011
Kategorie: Reisen; Tags:

Immer wieder kann ich vom Schwarzwald aus die Alpen aus 120 bis 150 km Entfernung sehen. Gar nicht so weit weg eigentlich, trotzdem war ich seit einem Familienurlaub vor grob geschätzt etwa 15 Jahren nicht mehr dort, es mangelte in den letzten Jahren immer an Zeit oder Geld, und die Sehnsucht nach „richtigen“ Bergen wurde fast unerträglich. Nun wollten aber meine Großeltern für eine Woche ins Berner Oberland fahren, und ich habe mich als Chauffeur angeboten. Sozusagen nochmal ein Familienurlaub. Und endlich die Gelegenheit, die Berge aus der Nähe zu sehen.

Südlich vom Thuner See in Oey-Diemtigen, genauer gesagt im Ortsteil Zünegg auf 850m Höhe, bezogen wir für die Zeit von 10. bis 17. September dieses Häuschen …

… zwischen dem Wohnhaus und den Ställen eines großen Bauernhofs.

Das Diemtigtal liegt abseits vom Massentourismus und hat sich einen ursprünglichen, ländlichen Charakter bewahrt. Die Gemeinde Diemtigen ist von der Fläche her die fünftgrößte im Kanton Bern, hat aber nur 2200 Einwohner. Ursprünglich hatte ich auch Ausflüge in die spektakulären Berglandschaften der Jungfrauregion geplant, beschränkte mich dann aber doch auf das Diemtigtal und die Berge, die es umgeben – dort gab es auch schon genug schöne Fotomotive für eine Woche. Sah es vor der Abfahrt in den Urlaub noch nach einem Temperatursturz und wechselhafter Witterung aus, überlegten es sich die Modelle (und das Wetter) dann doch noch anders, und es blieb spätsommerlich warm mit viel Sonnenschein, also bestes Bergwanderwetter.

Zu Beginn ein paar Bilder, die über die Woche verteilt bei Spaziergängen oder kurzen Ausflügen entstanden:

Oberhalb Zünegg

Bächlen

Blick von Bächlen auf Diemtigen

Oey

Diemtigen mit der historischen Kirche

Innenansicht der Kirche Diemtigen

Aegelsee bei Diemtigen

Kirel (auch Chirel geschrieben) in Oey – dieser friedlich dahinplätschernde Bach setzte im August 2005 das ganze Tal unter Wasser, nachdem innerhalb von drei Tagen flächendeckend Niederschlagsmengen um 170mm gefallen waren:

Oberhalb Diemtigen

Nahe Springenboden auf etwa 1350m Höhe

Sonntag (11. September) abends: ich dachte eigentlich, in der direkten Umgebung des Hauses könnte man keine brauchbaren Bilder machen, doch dieser Regenbogen – spontan direkt hinter dem Haus geknipst – belehrte mich eines Besseren.

Am Dienstagmorgen dann die erste richtige Fototour. Das Haus lag direkt am Fuß des beliebten Aussichtsbergs Niesen (2362m) und an einem Wanderweg, der auf diesen Berg hinaufführt. Allerdings reizte es mich überhaupt nicht, einen überlaufenen und zugebauten Gipfel zu besteigen, deshalb bevorzugte ich den höheren (wie der Name schon sagt) und deutlich weniger frequentierten Hohniesen (2454m). Dort fährt im Gegensatz zum Niesen nicht nur keine Bahn hinauf, es führt nicht einmal ein Pfad auf den Gipfel.

Früh morgens stellte ich das Auto auf dem Parkplatz Hinter Chirel ab (1506m hoch gelegen und damit vermutlich der höchste Punkt im Diemtigtal mit gebührenfreier Zufahrt). Der Austieg erfolgte im Licht des Vollmonds, die mitgenommene Lampe hätte ich gar nicht unbedingt gebraucht. Bis zu einer Höhe von 2035m ging es auf bequemen Wegen, danach weglos durch die grasbewachsene Westflanke des Berges. Auf den letzten 200 Höhenmetern verließen mich meine Kräfte, jeder Schritt war eine Qual – doch dann hatte ich den Grat erreicht und konnte auf die andere Seite der Niesenkette blicken.

Blick zurück über das Diemtigtal

Der Gipfel lag allerdings noch vor mir …

Als ich dann auf der Kuppe stand, die ich für den Gipfel gehalten hatte (dieser lag noch ein paar Schritte weiter hinten und oben), erschien die Sonne am Horizont zwischen den Bergen. In diesem Moment stiegen mir Tränen in die Augen, und ich war nicht mehr in der Lage zu fotografieren. Für einen erfahrenen Alpinisten mag so ein Sonnenaufgang auf einem Berg nichts Besonderes mehr sein, für mich ging dagegen ein Traum in Erfüllung, und das Erlebnis war einfach überwältigend.
Dieses Bild entstand ein paar Minuten später und kann dieses Gefühl nicht einmal annähernd vermitteln:

Wenig später dann auf dem Gipfel, 2454m hoch. Darüber werden viele auch nur schmunzeln, aber ich war noch nie zuvor (zumindest nicht bewusst) so weit oben gestanden.
Blick auf die nördliche Niesenkette mit dem Niesen ganz hinten:

Der südliche Teil der Niesenkette – auf dem zweiten Bild ziemlich genau in der Bildmitte, tief unten, der Ausgangspunkt meiner Tour:

Blick über das Engstligental

Der Gipfel von Süden betrachtet

Und ausnahmsweise – zu diesem besonderen Anlass – ein Selbsportrait.

Einige Impressionen vom Abstieg:

Am Mittwoch dann eine zweite Tour. Ausgangspunkt war Springenboden, Ziel der kleine Bergsee im auf 2002m Höhe gelegenen Hochmoor von Ober Mechlistall. Das Wetter war bewölkt, ich hoffte aber auf Sonnenschein zum Abend hin. Beim Aufstieg befand ich mich allerdings die meiste Zeit im Nebel.

Mittel Mechlistall, ca. 1850m

Dort befand sich auch dieser hübsche Wasserfall. Um diesen zu fotografieren, hätte ich mir kein besseres Wetter wünschen können.

An meinem Ziel Ober Mechlistall angekommen zeigten die Wolken dann tatsächlich Lücken. Der kleine See war aber leider nicht zugänglich und ließ sich nur von weitem ablichten.

Daher entschied ich mich spontan, noch auf das Mäggisserhorn (2348m, ein weiterer Berg der Niesenkette) zu steigen, in der Hoffnung, dort die Wolken von oben betrachten zu können. Dazu reichte es nicht ganz, aber auf dem Grat vor dem Mäggisserhorn auf 2241m befand ich mich gerade in einer Wolkenlücke: oben Wolken, unten Wolken, dazwischen Berge, ein ungewohnter Anblick.

Brockengespenst, Glorie und der Ansatz eines Nebelbogens auf dem Weg zum Gipfel:

Dann war es aber vorbei mit der Sicht, es zog wieder zu, und auch der Gipfel steckte in den Wolken. Diesmal war ich nicht allein oben …

Der Abstieg erfolgte dann fast vollständig im dichten Nebel. Vorübergehend etwas lichter war es nur im Bereich Mittel Mechlistall:

Freitagmorgen: diesmal ging es zum Seebergsee. Dafür war keine anstrengende Wanderung nötig, dafür aber die Benutzung einer gebührenpflichtigen Straße: 10 Franken für einen Tag, das Ticket muss man an einem Automaten lösen, der nur Kleingeld nimmt. Glücklicherweise konnte mir ein anderer Ausflügler, der auch schon am frühen Morgen dorthin unterwegs war, meinen Schein wechseln.
Von dem Bergsee auf 1831m Höhe hatte ich mir einiges versprochen und war deshalb mit der Bildausbeute nicht ganz zufrieden …

… aber auf dem Rückweg gab es dann auch noch einige hübsche Motive.

Am Abend zum Abschluss des Urlaubs dann eine letzte kleine Tour, nochmal das Straßen-Tagesticket ausgenutzt und in Richtung Seebergsee gefahren. Von dort aus wollte ich zum Seehorn (2281m), begnügte mich dann aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit und aufziehender Schauerwolken aber mit dem Girenhörnli (1987m). Eine gute Entscheidung, denn die Aussicht von dort war ebenfalls sehr beeindruckend (es ging in alle Richtungen fast senkrecht in die Tiefe), und der Weg dorthin, vor allem das letzte Stück, war gut geeignet, um mir wieder ein bisschen Höhenangst abzutrainieren – hier zu sehen (ich habe leider versäumt, die Stelle selbst zu dokumentieren). Was man auf dem Bild nicht sieht, ist, dass es an dieser Stelle auf beiden Seiten ein paar hundert Meter richtig steil runtergeht …

Ein Bild vom Aufstieg, noch etwas weiter unten:

Aussicht vom Girenhörnli: in der Bildmitte unter dem Horizont der Seebergsee …

… und schwindelerregende Tieflicke ins Diemtigtal.

Auf dem Rückweg kamen die Wolken immer näher, ich erreichte aber noch trocken den Parkplatz.

Damit ging der Urlaub – und gleichzeitig das Spätsommerwetter – zuende. Zuhause angekommen machte sich dann schon wieder die Sehnsucht nach den Bergen bemerkbar …

Fünf Tage in Schweden

28.09.2008
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Dazu passend fünf Bilder: