Urlaub im Erzgebirge

Vor ein paar Monaten hätten wir noch nicht gedacht, dass wir ins Erzgebirge in den Urlaub fahren würden. Das Jahr 2020 hat uns wie so manche andere Leute zum Neuordnen unserer Urlaubspläne ermutigt. Der Tourismus innerhalb Deutschlands dürfte davon profitieren. Ob das auch für die Regionen gilt, die sonst weniger touristisch ausgerichtet sind, kann ich schwer einschätzen. Irgendein Politiker (ich glaube zumindest, das es ein Politiker war) soll ungefähr gesagt haben: "Die Leute fahren jetzt doch nicht nach Freiberg, um dort Urlaub zu machen". - Klar, viele Leute werden es nicht sein, die das machen. Aber wir wären auch nach Freiberg gefahren, wenn es dort eine gemütliche und preisgünstige Unterkunft mit Aussicht gegeben hätte. Nach einer gründlichen Suche in mehreren deutschen Mittelgebirgen fiel unsere Wahl dann auf ein Blockhaus bei Lengefeld im mittleren Erzgebirge.

Vorgesehen war ein fünftägiger Erholungsurlaub. Chillen, Spazieren und den einen oder anderen Ausflug machen, z. B. nach Altenberg, um zu schauen, ob dort alles noch so aussieht wie vor zehn Jahren. Und wie das so ist mit Fotografieren im Urlaub: Wenn ich vorhabe, viele schöne Fotos zu machen, dann mache ich nur ein paar wenige, wenn überhaupt. Wenn ich ausnahmsweise nur chillen will und keinerlei fotografische Ambitionen habe, dann läuft es gerade umgekehrt ...

Nach mehreren Regentagen vor unserer Ankunft deutete es sich an, dass es am ersten Urlaubsmorgen Nebel geben könnte. Wecker stellen oder nicht? Ich habe ein bisschen mit mir gerungen und dann beschlossen: Das ist ein Erholungsurlaub, ich schlafe aus. Daraufhin begab es sich, dass ich aus unerfindlichen Gründen um kurz nach vier aufwachte, aus dem Fenster schaute, sofort meinen Fotorucksack nahm, losfuhr, falsch abbog, schließlich im Industriegebiet von Marienberg landete, von dort aus einen Hügel mit Funkmast erblickte, diesen ansteuerte und zwischen Industriegebiet und Bundesstraße diese Aufnahmen machte.

Morgenstimmung bei Marienberg

Morgenstimmung bei Marienberg

Marienberg, Kirche im Frühnebel

Morgenstimmung bei Marienberg

Morgenstimmung bei Marienberg

Da auch Marienberg von Straßensperrungen betroffen war (da fühlt man sich ja wie zu Hause), konnte ich auf dem Rückweg nicht die vorgesehene Route nehmen und landete dadurch auf einer Nebenstraße mit dieser Aussicht auf die frühsommerliche Inversion - auch bei etwas härterem Licht eine Weile nach Sonnenaufgang noch sehenswert. Kein Autofahrer, der dort vorbeikam, konnte einfach weiterfahren. Es haben alle angehalten und Fotos gemacht. Ausnahmslos.

Blick zum Pöhlberg

Blick auf Mildenau und den Pöhlberg

Morgendliche Inversion im Frühsommer

Morgendliche Inversion im Frühsommer

Nach der Rückfahrt bot sich dieser Ausblick von der Ferienhausterrasse:

Morgennebel über Lengefeld

Und damit war mein fotografischer Ehrgeiz doch wieder geweckt. Diesmal habe ich tatsächlich den Wecker für den folgenden Morgen gestellt. Eine gute Entscheidung. Eine Inversionslage wie am Vortag gab es nicht, dafür schönen Talnebel bei Pockau.

Sonnenaufgang über dem Flöhatal

Morgenstimmung über dem Flöhatal

Sonnenaufgang über dem Flöhatal

Morgenstimmung bei Pockau

Für den nächsten Tag war viel Wetteraktivität angekündigt: reichlich Regen und Gewitter. Die Vorhersage lag nicht ganz falsch: etwa 20mm Niederschlag gab es an diesem Sonntag. Mir ist das ja deutlich lieber als Hitze ... Und das Potential für einen spektakulären Sonnenaufgang, bevor die Konvektion loslegte, war auch vorhanden - wurde aber diesmal nicht ausgeschöpft. Man kann nicht immer Glück haben. War trotzdem ganz nett.

Blick von der Annahöhe bei Sorgau

Was die reichlichen Niederschläge für den folgenden Morgen bedeuteten, war natürlich klar: Nebel! Also wurde der Wecker erneut gestellt. Und der frühmorgendliche Blick aus dem Fenster bestätigte meine Hoffnungen. Allerdings war es diesmal nicht so einfach wie am ersten Morgen. Es war keine Inversion mit fester Obergrenze. Der Nebel hatte sich überall über die Hügel gelegt, es gab keine Möglichkeit, in der näheren Umgebung darüber zu kommen. Bei Ansprung hatte ich klaren Himmel über mir und dachte, es könnte was werden mit den Nebelstimmungen.

Morgennebel bei Ansprung

Doch der Nebel setzte sich bis zum Sonnenaufgang auch dort durch. Bis dahin ein eher enttäschender Verlauf des morgendlichen Ausflugs ...

Aufziehender Nebel

Doch ich wollte mich noch nicht ganz geschlagen geben und fuhr in Richtung Rübenau, um noch etwas höher zu kommen. Das Problem ist: man kommt auf dieser Straße zwar auf gut 800m Höhe, aber hat nur Wald um sich herum, keine Aussicht. Obwohl - ist das wirklich ein Problem? Am Ende erwies es sich als Glücksfall. Das letzte Bild aus dem Urlaub ist das, das mir am besten gefällt.

Frühnebel und Morgenlicht im Wald

Und sonst so?

In Altenberg und Zinnwald sieht immer noch alles fast genauso aus wie damals vor zehn Jahren. Und nachdem ich einmal die Strecke Altenberg - Rehefeld- Moldava - Nové Město mit dem Auto abgefahren bin, die ich damals wie selbstverständlich im tiefsten Winter mit dem Fahrrad bewältigt hatte, bin ich echt beeindruckt, was ich früher alles auf mich genommen habe, um ohne Auto an meine Bilder zu kommen. Unglaublich, wie faul man wird, sobald man es sich leisten kann ...


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