Oberengadin 2014: Salacina, Morteratsch

Ziemlich genau ein Jahr nach der ersten Fahrt in meine Lieblingslandschaft ergab sich wieder die Gelegenheit: zwei freie Tage und den Vorhersagen nach nicht ganz unbrauchbares Wetter. Zwar nicht immer klarer Himmel, aber es sollte zumindest allen Wettermodellen zufolge trocken bleiben.

Mein Ziel war diesmal der Piz Salacina. Dieser 2599 m hohe Berg wird so selten bestiegen, dass man dazu keinerlei Informationen im Internet findet. Ob man den Gipfel ohne Kletterkenntnisse erreichen kann, wusste ich daher nicht. Um es vorwegzunehmen: ich bin jetzt immer noch nicht schlauer. 😉 Bis etwa 100 Meter unter dem höchsten Punkt gibt es einen Pfad, der Rest sah auf den topographischen Karten und in Google Earth auch machbar aus. (Update, über ein Jahr später: So einfach ist es wohl doch nicht, siehe unten am Ende dieses Beitrags.) Vom Gipfel hat man dann eine sehr schöne Sicht über das Oberengadin auf der einen und das Bergell auf der anderen Seite.

Der Plan war, abends vom Maloja über den Lägh da Cavloc (recht fotogener See) Richtung Piz Salacina aufzusteigen, knapp 300 Meter unter dem Gipfel zu übernachten und vor Sonnenaufgang den Rest des Aufstiegs in Angriff zu nehmen, um die beiden Täler im Morgenlicht ablichten zu können. Abends lief, abgesehen vom bewölkten Himmel bei der Ankunft am See, noch alles nach Plan.

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Lägh da Cavloc, 3, 9. 2014

Beim Aufstieg rissen die Wolken immer mehr auf. Hätten sie sich das nicht eine Stunde früher überlegen können …

Salacina, Blick über den Lägh da Cavloc zum Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über den Lägh da Cavloc zum Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über das Val Forno, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Salacina, Blick Richtung Maloja, 3, 9. 2014

Mein Schlafplatz trug laut Karte den Namen „Starlögia“. Keine Ahnung, was das übersetzt heißt, aber so was wie „Logenplatz unter dem Sternenhimmel“ wäre naheliegend. Es waren weiterhin kaum Wolken am Himmel, nach Sonnenuntergang brachte der Halbmond zunächst noch etwas Licht. Beste Bedingungen für Nachtlandschaftsbilder.

Salacina, Blick auf den Piz da la Margna, 3, 9. 2014

Salacina, Blick über das Val Forno, 3, 9. 2014

Aus der Tour im letzten Jahr hatte ich gelernt. Nicht zu viele Höhenmeter am Stück mit dem schweren Gepäck. Früh genug aufsteigen, um den Schlafplatz vor Einbruch der Dämmerung zu erreichen. Dort angekommen, sofort das verschwitzte T-Shirt wechseln und die Jacke überziehen. Und ganz wichtig: eine Mütze dabei haben. So wurde mir trotz ähnlicher Temperaturen wie im Vorjahr nicht kalt. Nach der letzten Aufnahme legte ich mich zufrieden schlafen.

Bis mich nachts um kurz vor drei etwas weckte, worauf ich dann doch nicht vorbereitet war, weil es allen Vorhersagen nach so gut wie ausgeschlossen war:

Regen!

Der Schauer war schnell vorbei, aber der Himmel war wieder vollständig bedeckt, und es war nicht abzusehen, ob es wieder anfangen und mich womöglich noch richtig durchnässen würde. So entschied ich mich dafür, zusammenzupacken und ins Tal abzusteigen. An Schlaf war danach nicht mehr zu denken (zu kalt ohne Schlafsack, und der war nass), außerdem waren es nur noch gut zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang. Ein alternatives Motiv für den Morgen musste her. Am besten eins, das auch bei suboptimalem Licht noch etwas hergibt.

Da stand der Lago Saoseo auf der anderen Seite des Berninapasses noch auf meiner Liste. Das war ein Stück zu fahren, aber ich hatte ja Zeit. Musste dann allerdings feststellen, dass die Zufahrtsstraße nur mit schriftlicher Sondergenehmigung befahren werden darf. Nun wurde die Zeit zum Sonnenaufgang doch allmählich knapp, und so tat ich, was ich eigentlich vermeiden wollte, und nahm mir ein bekanntes, unzählige Male abgelichtetes Motiv vor. Das Val Morteratsch war das einzige noch rechtzeitig erreichbare Ziel, das mir auf die Schnelle einfiel.

Und eigentlich war das auch gar nicht schlecht. Egal, wie viele Bilder man davon schon gesehen hat: Diese Szenerie mit eigenen Augen zu sehen ist doch ein besonderes Erlebnis. Nur das Licht wollte nicht mitmachen. Ein komplett mit mittelhohen Wolken bedeckter Himmel, das ist so ziemlich der Worst Case bei Sonnenaufgang:

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Immerhin rissen die Wolken danach wieder ein wenig auf, und es reichte noch für ein paar brauchbare Aufnahmen dieses berühmten Motivs.

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Val Morteratsch, 4, 9. 2014

Verglichen mit dem letzten Jahr war ich nicht hundertprozentig zufrieden mit der Bildausbeute. Aber mein Bedürfnis nach „echten“ Berglandschaften war zumindest kurzfristig befriedigt. Und 2015 wird dann wieder alles besser … 🙂

Update:
Es war doch gut, so wie es war. Ein Jahr nach meinem Versuch hat endlich jemand den Piz Salacina bestiegen und eine Beschreibung des Aufstiegs veröffentlicht. Ich wollte auf dem Pfad zu P.2495 aufsteigen und den Gipfel von Norden in Angriff nehmen, dabei hätte mich „heikle Kletterei (II-III)“ erwartet – das heißt, ich hätte den Gipfel auf meiner vorgesehenen Route sowieso nicht erreicht. Über den Südgrat ist der Berg dagegen auch ohne Klettererfahrung machbar. Also eventuell ein Projekt für eins der nächsten Jahre …


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