Eine Spätsommerwoche im Diemtigtal (Berner Oberland)

Immer wieder kann ich vom Schwarzwald aus die Alpen aus 120 bis 150 km Entfernung sehen. Gar nicht so weit weg eigentlich, trotzdem war ich seit einem Familienurlaub vor grob geschätzt etwa 15 Jahren nicht mehr dort, es mangelte in den letzten Jahren immer an Zeit oder Geld, und die Sehnsucht nach „richtigen“ Bergen wurde fast unerträglich. Nun wollten aber meine Großeltern für eine Woche ins Berner Oberland fahren, und ich habe mich als Chauffeur angeboten. Sozusagen nochmal ein Familienurlaub. Und endlich die Gelegenheit, die Berge aus der Nähe zu sehen.

Südlich vom Thuner See in Oey-Diemtigen, genauer gesagt im Ortsteil Zünegg auf 850m Höhe, bezogen wir für die Zeit von 10. bis 17. September dieses Häuschen …

… zwischen dem Wohnhaus und den Ställen eines großen Bauernhofs.

Das Diemtigtal liegt abseits vom Massentourismus und hat sich einen ursprünglichen, ländlichen Charakter bewahrt. Die Gemeinde Diemtigen ist von der Fläche her die fünftgrößte im Kanton Bern, hat aber nur 2200 Einwohner. Ursprünglich hatte ich auch Ausflüge in die spektakulären Berglandschaften der Jungfrauregion geplant, beschränkte mich dann aber doch auf das Diemtigtal und die Berge, die es umgeben – dort gab es auch schon genug schöne Fotomotive für eine Woche. Sah es vor der Abfahrt in den Urlaub noch nach einem Temperatursturz und wechselhafter Witterung aus, überlegten es sich die Modelle (und das Wetter) dann doch noch anders, und es blieb spätsommerlich warm mit viel Sonnenschein, also bestes Bergwanderwetter.

Zu Beginn ein paar Bilder, die über die Woche verteilt bei Spaziergängen oder kurzen Ausflügen entstanden:

Oberhalb Zünegg

Bächlen

Blick von Bächlen auf Diemtigen

Oey

Diemtigen mit der historischen Kirche

Innenansicht der Kirche Diemtigen

Aegelsee bei Diemtigen

Kirel (auch Chirel geschrieben) in Oey – dieser friedlich dahinplätschernde Bach setzte im August 2005 das ganze Tal unter Wasser, nachdem innerhalb von drei Tagen flächendeckend Niederschlagsmengen um 170mm gefallen waren:

Oberhalb Diemtigen

Nahe Springenboden auf etwa 1350m Höhe

Sonntag (11. September) abends: ich dachte eigentlich, in der direkten Umgebung des Hauses könnte man keine brauchbaren Bilder machen, doch dieser Regenbogen – spontan direkt hinter dem Haus geknipst – belehrte mich eines Besseren.

Am Dienstagmorgen dann die erste richtige Fototour. Das Haus lag direkt am Fuß des beliebten Aussichtsbergs Niesen (2362m) und an einem Wanderweg, der auf diesen Berg hinaufführt. Allerdings reizte es mich überhaupt nicht, einen überlaufenen und zugebauten Gipfel zu besteigen, deshalb bevorzugte ich den höheren (wie der Name schon sagt) und deutlich weniger frequentierten Hohniesen (2454m). Dort fährt im Gegensatz zum Niesen nicht nur keine Bahn hinauf, es führt nicht einmal ein Pfad auf den Gipfel.

Früh morgens stellte ich das Auto auf dem Parkplatz Hinter Chirel ab (1506m hoch gelegen und damit vermutlich der höchste Punkt im Diemtigtal mit gebührenfreier Zufahrt). Der Austieg erfolgte im Licht des Vollmonds, die mitgenommene Lampe hätte ich gar nicht unbedingt gebraucht. Bis zu einer Höhe von 2035m ging es auf bequemen Wegen, danach weglos durch die grasbewachsene Westflanke des Berges. Auf den letzten 200 Höhenmetern verließen mich meine Kräfte, jeder Schritt war eine Qual – doch dann hatte ich den Grat erreicht und konnte auf die andere Seite der Niesenkette blicken.

Blick zurück über das Diemtigtal

Der Gipfel lag allerdings noch vor mir …

Als ich dann auf der Kuppe stand, die ich für den Gipfel gehalten hatte (dieser lag noch ein paar Schritte weiter hinten und oben), erschien die Sonne am Horizont zwischen den Bergen. In diesem Moment stiegen mir Tränen in die Augen, und ich war nicht mehr in der Lage zu fotografieren. Für einen erfahrenen Alpinisten mag so ein Sonnenaufgang auf einem Berg nichts Besonderes mehr sein, für mich ging dagegen ein Traum in Erfüllung, und das Erlebnis war einfach überwältigend.
Dieses Bild entstand ein paar Minuten später und kann dieses Gefühl nicht einmal annähernd vermitteln:

Wenig später dann auf dem Gipfel, 2454m hoch. Darüber werden viele auch nur schmunzeln, aber ich war noch nie zuvor (zumindest nicht bewusst) so weit oben gestanden.
Blick auf die nördliche Niesenkette mit dem Niesen ganz hinten:

Der südliche Teil der Niesenkette – auf dem zweiten Bild ziemlich genau in der Bildmitte, tief unten, der Ausgangspunkt meiner Tour:

Blick über das Engstligental

Der Gipfel von Süden betrachtet

Und ausnahmsweise – zu diesem besonderen Anlass – ein Selbsportrait.

Einige Impressionen vom Abstieg:

Am Mittwoch dann eine zweite Tour. Ausgangspunkt war Springenboden, Ziel der kleine Bergsee im auf 2002m Höhe gelegenen Hochmoor von Ober Mechlistall. Das Wetter war bewölkt, ich hoffte aber auf Sonnenschein zum Abend hin. Beim Aufstieg befand ich mich allerdings die meiste Zeit im Nebel.

Mittel Mechlistall, ca. 1850m

Dort befand sich auch dieser hübsche Wasserfall. Um diesen zu fotografieren, hätte ich mir kein besseres Wetter wünschen können.

An meinem Ziel Ober Mechlistall angekommen zeigten die Wolken dann tatsächlich Lücken. Der kleine See war aber leider nicht zugänglich und ließ sich nur von weitem ablichten.

Daher entschied ich mich spontan, noch auf das Mäggisserhorn (2348m, ein weiterer Berg der Niesenkette) zu steigen, in der Hoffnung, dort die Wolken von oben betrachten zu können. Dazu reichte es nicht ganz, aber auf dem Grat vor dem Mäggisserhorn auf 2241m befand ich mich gerade in einer Wolkenlücke: oben Wolken, unten Wolken, dazwischen Berge, ein ungewohnter Anblick.

Brockengespenst, Glorie und der Ansatz eines Nebelbogens auf dem Weg zum Gipfel:

Dann war es aber vorbei mit der Sicht, es zog wieder zu, und auch der Gipfel steckte in den Wolken. Diesmal war ich nicht allein oben …

Der Abstieg erfolgte dann fast vollständig im dichten Nebel. Vorübergehend etwas lichter war es nur im Bereich Mittel Mechlistall:

Freitagmorgen: diesmal ging es zum Seebergsee. Dafür war keine anstrengende Wanderung nötig, dafür aber die Benutzung einer gebührenpflichtigen Straße: 10 Franken für einen Tag, das Ticket muss man an einem Automaten lösen, der nur Kleingeld nimmt. Glücklicherweise konnte mir ein anderer Ausflügler, der auch schon am frühen Morgen dorthin unterwegs war, meinen Schein wechseln.
Von dem Bergsee auf 1831m Höhe hatte ich mir einiges versprochen und war deshalb mit der Bildausbeute nicht ganz zufrieden …

… aber auf dem Rückweg gab es dann auch noch einige hübsche Motive.

Am Abend zum Abschluss des Urlaubs dann eine letzte kleine Tour, nochmal das Straßen-Tagesticket ausgenutzt und in Richtung Seebergsee gefahren. Von dort aus wollte ich zum Seehorn (2281m), begnügte mich dann aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit und aufziehender Schauerwolken aber mit dem Girenhörnli (1987m). Eine gute Entscheidung, denn die Aussicht von dort war ebenfalls sehr beeindruckend (es ging in alle Richtungen fast senkrecht in die Tiefe), und der Weg dorthin, vor allem das letzte Stück, war gut geeignet, um mir wieder ein bisschen Höhenangst abzutrainieren – hier zu sehen (ich habe leider versäumt, die Stelle selbst zu dokumentieren). Was man auf dem Bild nicht sieht, ist, dass es an dieser Stelle auf beiden Seiten ein paar hundert Meter richtig steil runtergeht …

Ein Bild vom Aufstieg, noch etwas weiter unten:

Aussicht vom Girenhörnli: in der Bildmitte unter dem Horizont der Seebergsee …

… und schwindelerregende Tieflicke ins Diemtigtal.

Auf dem Rückweg kamen die Wolken immer näher, ich erreichte aber noch trocken den Parkplatz.

Damit ging der Urlaub – und gleichzeitig das Spätsommerwetter – zuende. Zuhause angekommen machte sich dann schon wieder die Sehnsucht nach den Bergen bemerkbar …


Kommentare

Eine Spätsommerwoche im Diemtigtal (Berner Oberland) — 2 Kommentare

  1. Hallo Michael
    Auf dieser Seite sind 3 Bilder vom Seebergsee.
    Könnte ich das Bild in der mitte (Quer) für ein Flyerdruck der Kleinkaliberschützen Diemtigtal verwenden.
    Wenn ja, brauche ich es natürlich im Original.

    Freundliche Grüsse

    W. Mani

  2. Hoi Michael
    Deine Fotos sind einfach stark und so eindrucksvoll, dass ich mir gleich vorgenommen habe, dieses Jahr, dieses Gebiet auszukundschaften!
    Wander-herzlichen Dank und Grüsse
    Dominique

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