Wintereinbruch im Osterzgebirge

Der Oktober 2009 ist ein Monat der Extreme. Nachdem in der ersten Woche im Südwesten Deutschlands noch Rekordtemperaturen bis zu 31°C gemessen wurden, stellt sich die Wetterlage nur wenige Tage später außerordentlich wirkungsvoll um. Zwischen einem Tief über der Ostsee und einem Hoch über dem Atlantik strömt arktische Luft ungehindert nach Mitteleuropa. Nun kann die Westhälfte Deutschlands Kälterekorde registrieren: sie liegt im Einflussbereich des Hochs, was für frostige Nächte sorgt. Weiter östlich ist das Tief wetterwirksam und tobt sich nirgends sonst in Deutschland so gründlich aus wie im Osterzgebirge.

Am Montag, 12. 10., mischen sich nachmittags in Altenberg (750m ü.M.) die ersten Flocken in den Regen. Am darauffolgenden Morgen präsentieren sich die höchsten Lagen des Osterzgebirges oberhalb etwa 850m immerhin schon angezuckert.

Am 14. 10. liegt auch in Altenberg Schnee.

Nachmittags setzt erneut Schneefall ein, bis zum Abend hat sich die Schneelage noch etwas verbessert …

… und dieser Schneefall ist sehr ausdauernd und ergiebig. Die Schneedecke wächst immer weiter an. Am 15. 10. zeigt sich das Osterzgebirge wie im tiefsten Winter. Zinnwald meldet am Mittag 24cm Schnee – 7cm mehr als auf dem Fichtelberg.

Am Freitagmorgen, 16. 10., liegen in Zinnwald 42cm Schnee, mehr als auf allen deutschen Mittelgebirgsgipfeln. Der Schneefall klingt vorübergehend ab und hinterlässt eine Winterlandschaft, wie man sie sich zu Weihnachten wünscht, aber niemals im Oktober erwarten würde – seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Zinnwald ist eine solche Schneehöhe Mitte Oktober noch nie vorgekommen.

Die Schneeverhältnisse sind auch in tieferen Lagen beachtlich. So liegen an diesem Morgen in Rosenthal-Bielatal (460m) 23cm Schnee, in Dippoldiswalde-Reinberg (350m) sind es 12cm.
Welche Rolle der Staueffekt bei dieser Wetterlage gespielt hat, erkennt man daran, dass das Böhmische Mittelgebirge kaum Schnee abbekommen hat. So hat die Station Milešovka (837m), nur etwa 20km südlich vom Erzgebirgskamm gelegen, am Freitagmorgen gerade einmal 4cm Schnee zu melden.

Eine Warmfront beendet dann allerdings den Frühwinter im Tiefland. Tauwetter setzt zunächst in den tieferen Lagen ein …

… und setzt sich im Lauf des Tages bis in die Kammlagen durch. Dort fällt zwar erneut Schnee, aber die Temperatur steigt über den Gefrierpunkt. So sackt die Schneedecke in Zinnwald von zwischenzeitlich 43cm bis zum Morgen des 17. 10. auf 33cm zusammen.

Die Schneefallgrenze liegt nun zwar wieder etwas tiefer, aber der Höhepunkt des Herbstwinters ist vorüber. Am 17. 10. steckt das Osterzgebirge oft in den Wolken, und es schneit immer wieder, wobei die Temperaturen in den Kammlagen um den Gefrierpunkt liegen. Für viel Neuschnee reicht es allerdings nicht mehr.
Impressionen von einer Winterwanderung:

Am folgenden Sonntag, 18. 10., verhält sich das Wetter ähnlich. Die Schneedecke in Zinnwald ist wieder immerhin 37cm hoch, mittlerweile haben aber Fichtelberg und Brocken mehr zu bieten.

Eindrücke vom Sonntagabend nach einem der letzten Schneeschauer auf dem Kahleberg, wo es durch die Höhe von 905m und die nordexponierte Lage insgesamt besonders viel geschneit hat:

Am Morgen des 19. 10. sind noch ab einer Höhe von etwa 400m Schneereste zu finden, oberhalb 500m ist die Landschaft schneebedeckt. Tagsüber beginnt sich die weiße Pracht im Sonnenlicht zu verflüchtigen – Tauwetter von der angenehmen Sorte.

So kommen nach einer Woche Winter mitten im Herbst Frühlingsgefühle auf. Das Schöne daran: auf diesen gefühlten Frühling wird kein Sommer, sondern der eigentliche Winter folgen …

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